Das Leben, die Erkrankung und die Partnerschaft.

Bevor bei meinem Mann die Diagnose Depression gestellt wurde, muss ich ehrlich zugeben mich nie so richtig mit dem Thema beschäftigt zu haben. Klar hat man mal von Bekannten gehört, der eine oder andere sei betroffen, was mir auch immer sehr leidtut, mir aber nie bewusst war welche Größenspanne die Krankheit mit sich bringt. Viele Anzeichen, die damals schon ein Hinweis waren, hat man mit zu viel Stress auf der Arbeit und zu wenig Schlaf abgetan.


Heute in Rückblick erkennt man schon die ein oder anderen Anzeichen. Jetzt, wo ich es weiß, dass weder das eine noch das andere damals damit zu tun hatte, sehe ich vieles aus einem anderen Blickwinkel. Man lässt es zu und nimmt die Erkrankung eines geliebten Menschen auch mit in seinen eigenen Alltag, man spricht noch mehr als vorher miteinander. Es hilft zuzuhören, zu unterstützen auch mehr als zuvor. Man geht den Weg zusammen mit seinen Höhen und Tiefen. Ich denke einfach für jemanden da zu sein, sei’s einfach nur anwesend zu sein und kein Wort zu sagen, oder sich mit einzubringen. Das derjenige weiß „hey“ da ist jemand, wenn ich ihn brauche oder einfach nur stille Gesellschaft möchte/brauche oder will.


Klar ist nicht immer Sonnenschein und man geht selbst manchmal an seine Grenzen, aber glaub mir es lohnt sich zu kämpfen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich bei meinem Mann Fortschritt sehe, beobachte beispielsweise, wenn er sich gut fühlt nach einer Therapiesitzung oder wenn es etwas Künstlerisches oder Kreatives beschafft wurde. Nach diesen Höhen gibt es dann auch Tiefen, lasst es zu und fühlt euch selbst nicht angegriffen, wenn euer geliebter Mensch mal etwas mies gelaunt ist. Er kann manchmal nicht anders und so kommt es vor, dass dann auch mal Sachen gesagt werden, die nicht allzu großartig sind. Am Anfang ist es verdammt schwer umzudenken, aber je mehr man mit in die Erkrankung hineinwächst, schaut man hinter den Grund oder Auslöser, was hat ihn geärgert.


Man darf nicht vergessen, die Menschen, die diese Erkrankung haben müssen, selbst erst mal einen Weg finden, dies zu akzeptieren, da sie jetzt den Grund wissen, warum sie so sind, wie sie sind. Viele fühlen sich schlecht, wenn sie ihre Gefühlsausbrüche haben. Ich spreche mit meinem Mann darüber, denn er ist deswegen kein schlechter Mensch. Ich habe am Anfang versucht meine schlechte Laune, wenn ich sie mal habe zu unterdrücken, weil ich immer dachte es zieht ihn mehr mit hinunter. Ich wurde eines Besseren belehrt, denn je ruhiger und zurückhaltender ich wurde, machte dies mein Mann nervös und er dachte, er habe etwas falsch gemacht. Also habe ich weitergemacht wie bisher auch, habe gezeigt, wenn ich schlechte Laune hatte und alles war wieder gut.


Ich glaube, die Normalität tut uns gut, wir reden nicht um den heißen Brei herum, sondern sind offen und ehrlich zueinander. Unsere Beziehung hat es nicht geschadet, ganz im Gegenteil, ich finde, wir sind noch mehr zusammengewachsen, denn jeder von uns beiden weiß: „ich werde geliebt“.


Tauscht euch mit anderen Betroffenen aus und versucht offen zu bleiben, habt Vertrauen. Denn es gibt so viele Möglichkeiten sich Rat und Hilfe zu suchen. Sei es hier im Forum oder bei Fachärzten, Psychologen. Scheut euch nicht davor zu sagen, ja ich bin betroffen und ich benötige Hilfe. Jeder Mensch hat ein Recht wieder glücklich zu sein und verstanden zu werden.

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Unter Gastartikel veröffentlichte Artikel wurden speziell für Blazingtalk.eu erstellt.

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