Die Gründung von Blazingtalk

Duisburg: Am 05. Februar 2022 gründete sich in Duisburg ein Verein mit dem Namen Blazingtalk. Er steht hinter der Webseite http://www.blazingtalk.eu und wird ab sofort seine Arbeit aufnehmen.

Der Verein möchte mit seiner online Plattform Betroffene und Angehörige von Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Krankheiten vernetzen und in einer geschützten Atmosphäre einen Austausch ermöglichen. Die Gründungssitzung fand Corona bedingt online statt und für die erforderlichen Unterschriften wurde nur ein kurzes Treffen unter AHA+L abgehalten.


So oder so ähnlich, würde, glaube ich, eine Newstickermeldung aussehen. Ich möchte dazu gerne noch ein wenig weiter ausholen und dich als Leser, wenn du magst, mit auf den Weg des letzten Jahres nehmen, denn so lange spukt mir die Idee durch den Kopf. Dass sich daraus ein Verein bilden würde, habe ich damals in der Tagesklinik nicht einmal in Betracht gezogen.

Woher die Idee zu Blazingtalk kam

Ich war Anfang 2021 mehrere Monate in der Tagesklinik, mein erster Aufenthalt. Dort habe ich gemerkt, wie toll es sein kann, auf einmal Menschen zum Reden zu haben, die einen mehr oder weniger verstehen. Es war eine völlig neue Erfahrung und ich an der Kraft, die ich damals getankt habe, zerre ich heute an schlechten Tagen immer noch.

Aber so ist nun mal mit Aufenthalten, sie enden irgendwann und mit der näher Rückenenden Entlassung, stellte sich für mich eine Frage: Wie geht es weiter?

Ich wurde gut beraten und hatte damals auch meinen Weg vor Augen, denn es folgte ein Rehaaufenthalt. Aber in der vorletzten Woche ging mir etwas durch den Kopf. Ich bastelte an einer Webseite, die eigentlich eine freie Community für alles und jeden werden sollte. Aber ich fand damals keinen Draht zu meinem Projekt, es fehlte mir der Sinn, wie sooft in meinem Leben.

Die Idee ein Forum aufzubauen, was den Schwerpunkt psychische und psychosomatische Krankheiten hat, kristallisierte sich zum ersten Mal. Ich tat diese Idee als: gibt es bestimmt schon viele von ab. Ich suchte im Internet und fand, wenig. Bis heute kenne ich ein weiteres Forum, dieses hat den Schwerpunkt Depression. Es gibt verstreut Foren, die punktuelle Schwerpunkte haben, aber eines wie es Blazingtalk ist, habe ich nicht gefunden und als mein inneres Feuer geschürt war, habe ich auch nicht mehr gesucht.

Der Weg zum aktuellen Blazingtalk

Ich habe in der Zeit nach der Tagesklinik, dann an erste Ideen gemacht, wie soll das Forum aussehen, was soll es für Kategorien haben. Ich war dabei aber immer noch unsicher, ob ich das überhaupt machen sollte. Die größte Hürde war für mich der Suizid. Was ist mit Menschen, die sich akut in Lebensgefahr befinden? Was ist, wenn die bei uns (damals: mir) um Hilfe fragen und keiner da ist? Würde es ein Unterschied machen, ob ich da bin oder nicht? Ich habe lange mit mir gerungen, denn es ist ein sensibles Thema und eine "wird schon" Mentalität ist für mich nach wie vor an dieser Stelle unangebracht. Es muss klar sein, dass dieses Forum, diese Plattform nicht so arbeitet wie die Telefonseelsorge oder die NummerGegenKummer.

Vielleicht kann an dieser Stelle aber Blazingtalk zur richtigen Zeit mit der Anzeige der Nummer helfen. Ich scheue nicht den Kontakt mit Selbstmordgedanken, meine eigenen Erfahrungen mit dem Gedanken haben mich aber eine Sache gelehrt: "Wenn der Gedanke sein Leben zu beenden immer logischer und plausibler wird... wird es Zeit sich an einen Profi zu wenden."

Das ist eine Botschaft, die ich aber auch auf ein paar andere Bereiche ausgeweitet habe. Es ist wichtig, dass jeder therapiebedürftige Mensch professionell begleitet wird.
Zwischen den Sitzungen und auf dem Weg dahin, ist eine Gemeinschaft, die das Thema kennt, aus den unterschiedlichsten Gründen, eine gute Begleitung. Es müssen bei uns aber klare Grenzen gezogen und eingehalten werden.

Der Startschuss des im November 2021

Das Forum war so weit, ich war so weit. Es sollte losgehen. So habe ich das Forum dann mit einem Post offiziell eröffnet und mich dann weiter an die ersten Versuche der Bekanntgabe bei großen Kliniken gemacht, von denen ich bis heute nichts gehört habe. 372 Mails habe ich geschrieben. Die einzigen, die mir geantwortet haben, waren Selbsthilfenetzwerke und Vermittlungsstellen. Aber obgleich es Interesse gab, wurde mir auch vermittelt: Du als Privatperson, nein, machen wir nicht. Ich kann es aber verstehen, auch wenn es schmerzlich ist. Der Schutz von Betroffenen ist allen vernünftigen Stellen wichtig, das kann ich bei allem Frust über die Absagen aber nicht nur respektieren, sondern hat auch einige Stellen für mich ein gutes Licht gerückt. Ich freue mich schon auf den Kontakt mit diesen Stellen, wenn ich dieses Mal als Vorstand des Vereines schreibe, vielleicht kann ich jetzt ein wenig besser überzeugen, dass meine Absicht eine gute ist.

Über den Autor

Ich bin seit nun mehr 17 Jahren begeistert von Serversysteme, Design und schon mein ganzes Leben von Technik. Bei Technik ist nicht nur die digitale Variante gemeint, sondern auch die analoge. An Webseiten bastel ich seit ich 14 bin. Neben der ganzen Technik genieße ich aber auch etwas sehr Analoges: mein Akkordeon und Aquarell. Natürlich begeistert mich die Technik dahinter auch, aber es steht das Genießen im Vordergrund.


Ich leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung und Dysthymia. Das habe ich erfahren, nachdem ich darunter 20 Jahre gelitten habe, ohne es zu merken. Na ja, als Betroffener verstehst du bestimmt wie ich das meine, denn etwas Unbekanntes war da. Es war immer etwas da, etwas, was mich nicht schlafen ließ, mich unruhig machte. Es badete mich abwechselnd in Wut, Angst und Verzweiflung. Bis zu meinem Zusammenbruch. Es öffnete sich für mich die Tür der Therapie. Ich habe viel über mich gelernt. Daraus und den tollen Erfahrungen in der Therapie, Tagesklinik und Reha, habe ich den Wunsch entwickelt zu helfen.


Ich bin kein Therapeut, also wie kann ich helfen? Ich möchte Betroffene verbinden, denn in vielen Gesprächen habe ich erfahren, dass es an vielen Stellen Ähnlichkeiten gibt. "Das wird schon wieder" "Ist nur eine Phase" "Es liegt am Stress" "Ich bin allein" "Wer hilft mir, wenn ich aus der Reha/Tagesklinik bin?"

Mir ist es ein persönliches Anliegen uns Betroffene, Angehörige von Betroffenen, Experten zu vernetzen. Sicher und so offen oder anonym wie es jeder für sich entscheidet. Fern ab von den Datenkraken und der Wirtschaft.

Jonathan Administrator