Psychisch krank – wenn das Umfeld mit leidet

Erkrankungen der Psyche werden immer häufiger. 28 % aller Menschen erkranken mindestens einmal im Leben psychisch. Obwohl Depressionen und Angststörungen mittlerweile der häufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit sind, werden sie gesellschaftlich kaum anerkannt. Oft empfinden Betroffene Schuld und Scham und trauen sich nicht, offen mit ihrer Krankheit umzugehen. Innerhalb vieler Familien gibt es bei dem Thema Vorurteile und Tabus. Jedoch können sich die Krankheit und damit auch das Familienleben nur dann verbessern, wenn über die Probleme gesprochen wird. Dabei ist es wichtig, nicht zu verurteilen und die Gefühle jedes Familienmitglieds, ob Betroffener oder nicht, ernst zu nehmen.


Als Angehöriger leidest du unter der Krankheit mit. Der geliebte Mensch tut dir leid und du bist gezwungen mit möglichen Gefühlsausbrüchen oder nicht erklärbarem Verhalten umzugehen. Es ist wichtig sich mit Menschen, mit ähnlichen Problemen, auszutauschen. Es gibt keinen Grund, alleine mit der Situation klarkommen zu müssen. Genauso wenig, wie der Erkrankte alleine mit seinen Problemen fertig werden muss, musst du alleine die Situation bewältigen. Hier auf Blazingtalk gibt es ein psychisches und psychosomatisches Forum, wo sich Familien austauschen und gegenseitig helfen können. Das Gefühl, nicht alleine zu sein, ist für jeden eine große Erleichterung. Außerdem kannst du durch Austausch nur besser im Umgang mit der Krankheit werden.

Wie kannst du eine psychische Erkrankung eines Familienmitglieds erkennen?

Das erkennt man häufig daran, dass der Mensch sich anders verhält, als normalerweise. Manchmal kann einem die geliebte Person sogar fremd vorkommen. Damit richtig umzugehen, ist natürlich eine Herausforderung.


Dinge im Alltag, die eigentlich selbstverständlich waren, wie einkaufen gehen, duschen, Bahn oder Auto fahren, Freunde treffen, seinen Hobbys nachgehen, werden eventuell schwer zu bewältigen. Oft sind Betroffene schnell gereizt, immer traurig oder sogar aggressiv. Generell wird dadurch mehr gestritten.


Natürlich verändern sich Menschen ständig im Laufe ihres Lebens. Um einschätzen zu können, ob eine psychische Erkrankung der Grund sein könnte, ist es erst einmal ausschlaggebend, ob die Veränderung positiv oder negativ ist. Alles, was sich schlecht auf das Verhalten oder die Gefühle auswirkt, sollte beobachtet werden. Problematisch werden solche Veränderungen, wenn sie über mehrere Wochen oder sogar Monate anhalten. Jeder kann mal eine schlechte Phase haben und jeder muss unangenehme Gefühle verarbeiten. So etwas sollte jedoch nach absehbarer Zeit überstanden sein. Wenn nicht, sollte man externe Hilfe in Anspruch nehmen.


Wer die Symptome der häufigsten Krankheiten kennt, ist wahrscheinlich auch in der Lage, sie an Familienmitgliedern zu erkennen. Hier eine kurze Zusammenfassung der typischsten Symptome:

Angststörung: Herzrasen, Beklemmungsgefühle, schneller Puls, Schweißausbrüche, Zittern, Atemnot, Hyperventilieren, Erbrechen und Durchfall, Panikattacken, Abwesenheit, Bewegungsunfähigkeit

  1. Ängste sind für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Situationen, in denen Betroffene Angst haben, werden lieber vermieden, selbst wenn dafür Familie und Freunde belogen werden müssen. Als Freund oder Angehöriger solltest du dieses Verhalten nicht persönlich nehmen.
  2. Depressionen: sozialer Rückzug, Vermeidung jeglichen Kontakts, negative Gedanken, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafprobleme, geringer Appetit.
    Vermeidung von Kontakt und Rückzug ins Bett können abweisend wirken. Auch dieses Verhalten hat nichts mit dir zu tun und sollte sich auf keinen Fall zu Herzen genommen werden.
  3. Somatoforme Störung: unklare körperliche Beschwerden, keine Besserung über einen Zeitraum von sechs Monaten, Einschränkungen im Alltag aufgrund der Schmerzen.
    Oft wird Patienten vorgeworfen, sie spielen die Symptome nur vor, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Menschen täuschen ihre Schmerzen nicht mit Absicht vor, sondern empfinden den Schmerz wirklich.
  4. Zwangsstörungen: sinnlose, wiederkehrende Gedanken, sinnlose Rituale, zwanghafte Handlungen (zum Beispiel ständiges Waschen, Zählen oder Aufräumen), zwanghaftes Kontrollieren.
    Der Betroffene kann bestimmte Gedanken oder Impulse nicht unterdrücken. In den meisten Fällen bestimmen diese Zwänge schnell den Alltag und werden ohne Hilfe immer weiter gesteigert.
  5. Alkoholabhängigkeit: starkes Verlangen nach Alkohol, Kontrollverlust unter Alkoholeinfluss, stetig steigende Trinkmenge, Entzugssymptome (Schwitzen, Schlafstörungen, Angst, Übelkeit, …).
    Alkohol wird am häufigsten missbraucht, da er legal ist. Alle anderen Drogen können genauso abhängig machen und somit zu einer psychischen Erkrankung werden. Alkohol- oder Drogenkranke leiden meistens noch unter anderen begleitenden Erkrankungen, die sie erst in die Sucht gebracht haben.

Psychische Erkrankungen bei Kindern

Bei Kindern ist es besonders wichtig, zeitnah eine Diagnose zu stellen, um die nötigen Fördermaßnahmen einzuleiten. Das Miteinbeziehen von Lehrern, Freunden oder anderen Familienmitgliedern, wie Tanten oder Onkel, können einen weiteren Schutzfaktor darstellen. Für das Kind selbst ist es meistens schwer zu verstehen, was mit ihm passiert, daher ist besonders viel Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt.

Die ersten Lebensjahre sind für eine gesunde Psyche ausschlaggebend. Um dem Kind Selbstvertrauen und Vertrauen in seine Mitmenschen zu geben, braucht es bestimmte Bausteine. Diese sind Geborgenheit und Verlässlichkeit, Anerkennung und Interesse, Zutrauen und Vertrauen, ein geregelter Alltag und das ernst Nehmen aller Gefühle.

Psychische Erkrankung bei Eltern

Eltern wollen ihre Kinder schützen. Daher denken die meisten, es wäre besser, alleine mit der Erkrankung klarzukommen. Kinder haben ein sehr sensibles Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmt, vor allem bei den eigenen Eltern. Es wird Schwierigkeiten haben, das alleine zu verarbeiten. Kinder können mit Unterstützung gut lernen, mit der besonderen Situation umzugehen und fühlen sich dadurch sogar hilfreich.

Wie kannst du ein Familienmitglied mit einer psychischen Erkrankung am besten unterstützen?

Der erste Schritt ist, sich über die Krankheit zu informieren. Nur wenn du weißt, was der geliebte Mensch durchmacht, bist du in der Lage zu helfen. Auch wenn du selbst nicht alle Symptome oder Verhaltensweisen nachvollziehen kannst, solltest du versuchen, so viel Verständnis, wie möglich, aufzubringen. Das Gehirn funktioniert anders, wenn es krank ist. Genauso wie ein Körper anders funktioniert, wenn er krank ist.


Der zweite Schritt kann ein vertrautes Gespräch sein. Dabei geht es darum, dem Familienmitglied Hilfe und Unterstützung anzubieten. Wichtig ist, dass diese Unterstützung bedingungslos ist. Du solltest nicht versuchen, den Betroffenen zu etwas zu überreden, was er nicht möchte. Ihm dabei den Entzug der Unterstützung oder Zuneigung anzudrohen, ist kontraproduktiv. Zusätzlich noch unter solch einen Druck gesetzt zu werden, führt niemals zur Besserung der Erkrankung.


Der dritte Schritt ist, anzubieten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und bei der Suche nach der geeigneten Anlaufstelle zu helfen. Umso früher externer Beistand angenommen wird, umso eher können die Probleme sich verbessern oder sogar verschwinden. Wartet man zu lange, haben sich destruktive Verhaltensweisen und Gedankengänge schon zu sehr gefestigt. Dann wird es schwer, sie wieder zu verändern.

Es gibt viele verschiedene Angebote, die Unterstützung bei psychischen Erkrankungen bieten. Der Gang zum Hausarzt ist eine Möglichkeit. Dieser kann den Patienten zu einem geeigneten Psychotherapeuten oder Psychiater weiterleiten.


Während einer Therapie kannst du versuchen, kleine Schritte in die richtige Richtung zu fördern und Fortschritte anzuerkennen und gemeinsam zu feiern. Außerdem kannst du Familienmitglieder gut dabei unterstützen, einen gesunden Lebensstil aufzubauen. Hierzu zählen gesunde Ernährung, genug Bewegung und genug Ruhephasen. Auch Beziehungen außerhalb der Familie, zu Freunden beispielsweise, sollten gestärkt werden. Gut gemeinte Ratschläge haben meistens nicht die gewünschte Wirkung. Ehrliches Interesse hingegen gibt dem Betroffenen das Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden.


Eventuell werden Medikamente verschrieben, die lang- oder kurzfristig die Genesung unterstützen können. Da gerade Medikamente, die in der Psychotherapie eingesetzt werden, abhängig machen können, sollte eine Einnahme über längeren Zeitraum gründlich durchdacht sein.

Leider muss immer mit Rückschlägen gerechnet werden. Das gehört zur Genesung dazu. Da der Betroffene eventuell den Mut verliert, ist es wichtig, dass du ihn weiterhin motivierst und niemals ärgerlich reagierst. Umso schnell es geht, einer sich anbahnenden Krankheitsphase entgegenzuwirken, ist es nützlich, eine Liste mit Frühwarnzeichen zu erstellen. Wenn alle Familienmitglieder darauf achten, kann schnellstmöglich gehandelt werden.


Natürlich kannst du dem Familienmitglied nur deinen Beistand anbieten. Ob er sie annimmt, ist ihm selbst überlassen. Er muss sich helfen lassen wollen. Aufgezwungene Hilfe hat oft eher negative Auswirkungen. Es muss trotzdem Grenzen und klare Absprachen für ein Zusammenleben geben. Wünsche und Bitten formulierst du am besten mit Ich-Botschaften. Diese klingen nicht vorwurfsvoll und bringen mehr Verständnis mit sich.


Mache jetzt den ersten Schritt in die richtige Richtung und registrieren Sie sich auf Blazingtalk. In unserem psychischen und psychosomatischen Forum finde viele Gleichgesinnte. Dort kannst du als Betroffener oder Angehöriger in Austausch gehen und wertvolle Tipps bekommen oder auch weitergeben.

Über den Autor

Unter Gastartikel veröffentlichte Artikel wurden speziell für Blazingtalk.eu erstellt.

Gastartikel Gastbeiträge